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Full text of "Die lateinische Deklination [microform]"

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MASTER 

NEGA TIVE 

NO. 93-81316-16 



MICROFILMED 1993 
COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES/NEW YORK 



as part of the 
"Foundations of Western Civilization Preservation Project" 



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A UTHOR: 



WULCKOW, RICHARD 



TITLE: 



DIE LATEINISCHE 
DEKLINATION 

PLACE: 

DANZIG 

DA TE: 

1867 



COLUMBIA UNIVERSrrY LIBRARIES 
PRESERVATION DEPARTMENT 



Master Negative # 



BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



Original Material as Filmed - Existing Bibliographie Record 



Restrictioris on Use: 



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[ 7Q Wulckow, Richard 
; V 2 Die lateinische deklination 
Danzig 1867 



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TECHNICAL MICROFORM DATA 



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Programm 



der 



Realscliule erster Ordnunsr zu 8t. Petri und Pauli 



in Danzig, 



womit zu der 



Montag, den 8. April 1807 

von 8V2 Uhr Vormittags und 2^1^ Uhr Nachmittags an 



stattfindenden 



öffentlichen Prüfung 



ergebenst einladet 



Dr. Fr. Stielilke, 

Director. 



Inhalt. 

1. Die latemische Deklination, von Dr. Richard Wulckow. 

2. Schulnachrichten, 



Danzig, 

Druck von A. W. Kafemann. 
1867. 



Jt^äOr . «r>.. ''.-^^M^i^! 



Die lateinische Deklination 



von 



Dr. Richard Wulckow. 



V oltaire hat die Etymologie eine Wissenschaft genannt, in der die Vokale Nichts und 
die Consonanten sehr wenig bedeuten. „L'etyniologie est une science, oü les voyelles ue fönt rien 
et les consonnes fort peu de chnse". Der gegen allen Wunderglauben kämpfende Denker hatte 
mit diesem sarkastischen Aussprucli unzweifelhaft Hecht denen gegenüber, die zu seiner Zeit über 
Etymologie schrieben, denn für diese Leute war auf dem (lebiete der Sprachvergleichung die 
Aehnlichkeit des Klanges und der Bedeutung allein entscheidend, von einer Probe aber, durch 
•welche eine richtige Ableitung von einer falschen unterschieden werden kann, hatten sie noch 
keine Idee. Naiv genug leitet Perion brebis, Schaf (das ital. berbice) vom griechischen nQoßaxov, 
nicht vom lateinischen vervex her. In iinsern Taigen würde ein ähnlicher AnirrifF auf die neuere, 
v(,'rgleichende Sprachforschung ein sinnloser Hohn sein: diese Wissenschaft hat zu grosse Re- 
sultate auf/.uweisen, als dass man über ihre Berechtigung noch irgend welche Zweifel hegen könnte. 
Durch die gewaltige Begabung und den hingebenden Fleiss eines Grotefend, Burnouf, Lassen und 
Rawlinson sind wir in den Stand gesetzt, die keilförmigen, persischen Inschriften aus der Zeit des 
Cyrus, Darius, Xerxes, Artaxerxes L, Darius IL etc. zn lesen, Inschriften, denen gegenüber als 
blossem (Konglomerate keilförmiger Zeichen erst der Beweis zu führen war, dass diese Striche 
und Streifen blosse Inschriften waren. Max Müller macht in seinem vortrefflichen Werke: „Die 
Wissenschaft der Sprache'^ Bd. L S. 10, darauf aufmerksam, dass die meisten der griechischen, 
römischen, indischen und andern heidnischen Götter Nichts sind, als poetische Namen, die nach 
und nach eine von ihren ersten Erfindern gar nicht in Betracht gezogene göttliche Persönlichkeit 
annehmen. „Eos war der Name der Dämmerung, bevor sie später zur Göttin, zur Gattin des 
Tithonos oder des sterbendenTages wurde. Fatum bezeichnete ursprünglich einen Ausspruch 
und ehe das fatum zu einer Macht wurde, vor der sich selbst ein Jupiter beugte, bedeutete es 
das, was einmal vom Jupiter ausgesprochen war und nicht mehr geändert werden konnte — selbst 
nicht von ihm selbst. Zeus bedeutet ursprünglich den hellglänzenden Himmel und viele der von 
ihm als oberstem Gott erzählten Sagen hatten nur ihre Bedeutung insofern, als sie auf den hellen 
Himmel bezogen werden, dessen Strahlen wie ein goldner Regen in den Schoss der Erde, der 
Danae fallen, die ihr Vater in dem dunkeln Kerker des Winters gefangen hält. Niemand zweifelt 



daran, dass luna einfach ein Name des Mondes war, aber ein solcher Name war auch kicina und 
beide sind von lucere, leuchten, herzuleiten. Auch Hekate wurde der Mond genannt; dieser 
Name ist aber das Femininum zu Hekatos oder Hekatebolos, der weithin schies^enden, weithin 
treffenden Sonne; Pyrrha, die Eva der Griechen, war Nichts als ein Name der rothen Erde und 
im besondern Thessaliens". Die Wissenschaft, aus der diese geistreichen, von uns längst accep- 
tirten Combinationen geflossen sind, die vergleichende Philologie, wie sie aufgebaut ist in philo- 
sophischer AVeise besonders durch W. v. Humboldt und durch die Gebrüder Friedrich und August 
Wilhelm v. Schlegel, durch Bopp und Grimm in historischer Weise, hat im letzten Jahrzehent 
eifrige und treue Pflege gefunden und überall regen sich Illinde, um die errungenen KesuUate 
nutzbar zu machen. Seit zwölf Jahren erscheint , eine besondere Zeitschrift für vergleichende 
Philologie, fast an jeder deutschen Universitüt liest ein Professor über vergleichende Grammatik 
und Sprachwissenschaft, begabte Jünger der Wissenschaft haben durch gründliche und geistvolle 
Arbeiten den Beweis geliefert, dass jene Wissenschaft nicht blos eine „(himiire -elthrter Träumer" 
ist. Dem gegenüber darf nicht in Abrede gestellt werden, dass für den elementaren Sprachun- 
terricht aus jener Wissenschaft bis jetzt wenig Segen geflossen ist. Sollen «her die gewonnenen 
Resultate segensreich wirken, sollen sie jeden unbeiechtigten Zweifel an dem Nutzen der neueren 
Forschungen verstummen machen, so ist vor allem nothwendig, djss sie in die Schule hineinge- 
zogen werden, dass man damit beginne, von unten auf zu reformiren. Noch immer ertönt, um 
auf das Lateinische zu kommen, in den Schulen die frohe (V) Botschaft des Donatus von' den 
fünf lat. Deklinationen; es ist wahrlich an der Zeit, dass man sie hinstellt als das, was sie ist, als 
eine den Schüler ermüdende Plage; dass man in besserer Erkenntniss der wissenschaftlichen Ver- 
hältnisse dem Schüler den Faden nachweist, der sich gleichmässig durch die ganze lateinische 
Dekimation hindurchzieht. Zwar sind auf dem Gebiete der griechischen Grammatik die Errun- 
genscliaften vergleichender Sprachforschung mit grossem Erfolge für die Schule nutzbar gemacht 
worden durch Männer wie Curtius; aus den gelehrten und fleissigen Arbeiten eines Leo Meyer 
hingegen auf dem Gebiete der lateinischen Grammatik („Vergleichende Granniiatik der griechischen 
und latemischen Sprache" und „Gedrängte Vergleichung der griechischen und lateinischen 
Deklination" Berlin; Weidmann'sche Buchhandlung 1862) dürfte für den elementaren Unterricht 
wenig praktischer Nutzen zu ziehen sein, obwohl sie dazu geeignet sind, den Lehrer aufs beste 
zu informiren. Die lateinische Grammatik von Lattmann und Müller (Ciöttingen 1864) steht eben- 
falls auf dem Boden neuerer Forschung und enthält vieles, für die Schule Brauchbare. Besonders 
zweckmässig ist die Gruppirung der Genusregeln. Eine kleine Schrift von Dr. Karl Widmann 
in München („Neue zweckmässigere Lehrweise der lateinischen Sprache. Erstes lieft: Grund- 
steine der lateinischen Formenlehre. München, 1866.) macht auch einen guten Anfang auf dem 
bezeichneten Wege. Der Verfasser weist mit verständigen Worten die alte Methode des irteinischen 
Elementarunterrichts zurück und bringt an der Hand neuerer, sprachwissenschaftlicher Studien 
manches Neue und Zweckmässige für denselben bei. Zwar lässt die Schrift üebersicht sehr ver- 
missen, doch ist sie schon aus dem Grunde zu schätzen, weil sie ein Versuch auf einem Terrain 
ist, an dessen Pforte ein durch alte Gewohnheit gewissermassen geweihtes „noli ine tan-ere" steht 
Bei memer Arbeit, die lateinischen Deklinationen in vereinfachter, wissenschaftlicher und zu-leich 
für die Schule brauchbarer Form darzustellen, hat mir das genannte Schriftchen manche Anre-un<T 
und manchen brauchbaren Wink ire^^eben. '^ '^ 

Zu dem Versuche, die Praxis des Unterrichts in hüherm Grade mit der Wissenschaft zu 
durchdringen, eignet sich entschieden vor Allem die griechische Sprache, da die wissenschaftliche 
Erforschung und Erkenntniss des Formenbaus in derselben bereits zu mnem gewissen Abschlüsse 



gediehen ist und weil sie uns durch das hohe Alter ihrer Literatur und durch die Mundarten 
Hilfen an die Hand giebt, die das Lateinische nicht bietet. Ferner wird eine wissenschaftliche 
Behandlung des lateinischen Sprachbaus auf Schulen in dem sehr jugendlichen Alter der Schüler 
ihre Schwierigkeit finden; dem Schüler, der formal bedeutend vorgebildet und gerüstet an das 
Griechische herantritt, wird, wie Curtius in der Vorrede zu seiner Grammatik klar dargethan, 
viel leichter eine Ahnung von den wundervollen Sprachgebilden des Griechischen beizubringen 
sein, als es bei dem Jüngern, nicht vorgebildeten Schüler in Bezug auf das Lateinische möglich 
sein wird, noch ganz abgesehen davon, dass das Lateinische weniger durchsichtig ist und eine 
analytische Behandlung grosse Schwierigkeiten hat. Trotz alledem hat man keine Berechti^rung, 
den lateinischen Schulunterricht vor jeder Berührung mit der Wissenschaft zu verschliessen, und 
jeder, selbst der unbedeutendste Versuch, die alten Schranken wegzuräumen, wird in sich selbst 
seine Erklärung finden. Wohl wird immerhin unsere Jugend einen Theil der lat. Formen zu- 
nächst mit dem Gedächtniss aufnehmen müssen, es kann aber keinem Zweifel unterliegen, dass 
man besser daran thut, ausser dem blossen Gedächtnisse des Kindes noch andere Kräfte und 
Organe desselben in Thätigkeit zu setzen. Combiniren, Schlüsse ziehen, organisch Zusammenge- 
höriges vom zufällig Nebeneinanderstehenden zu unterscheiden sind Dinge, die auch schon der 
jüngere Schüler lernen muss ~- damit kann gar nicht zeitig genug angefangen werden. Soll der 
lateinische Unterricht nicht zum geisttödtenden Mechanismus herabsinken, so wird er seine Stärke 
darin suchen müssen, die intellektuellen Kräfte des Schülers zu wecken und zu fördern, das 
Ueberschütten aber mit unverstandenen Formen verscheucht die Lust des Schülers und mag in 
vielen Fällen die Ursache der bekannten Erscheinung sein, dass Schüler nach dem Abgange von 
der Schule die alten Sprachen so häufig wie Ballast über Bord werfen. Die intellektuellen Kräfte 
im Schüler werden aber vornehmlich dadurch geweckt und genährt, dass man ihn zeitig mit den 
Gesetzen bekannt zu machen sucht, nach welchen die AVörter gebildet und flectirt werden und 
in der Sprache die Veränderungen nachweist, welche sie im Laufe der Zeiten erfahren hat. Wenn 
man hiegegen den Einwand erhebt — und er ist erhoben worden — dass es zwei ganz verschie- 
dene Aufgaben seien, eine Sprache zu lernen und ihren organischen Bau zu begreifen, so muss 
dagegen bemerkt werden, dass sich diese beiden Aufgaben sehr wohl vereinigen lassen, ja ver- 
einigt werden müssen, wenn von einem wirklichen Erlernen der Sprache die Rede sein soll. Man 
hat gesagt, der Schüler müsse ohne Umwege zur Erkenntniss des Concreten geführt werden, 
gewiss; es kann aber kein Umweg genannt werden, wenn man den Schüler möglichst überall, 
besonders bei den alten Sprachen, zur historischen Auffassung und Erkenntniss leiten will; was 
auf diesem Wege, der kein Umweg ist, gewonnen wird, bleibt ein mehr sicherer und fruchtbringender 
Besitz, als was man sich ohne eigentliches Erkennen angeeignet hat. Mögen die geehrten Collegeu 
den von mir eingeschlagenen Weg prüfen, ehe sie ihn ohne weiteres als einen Irrweg bezeichnen; 
mögen sie zugleich aber auch das Verfehlte oder Ungeschickte, das sie ohne Zweifel finden wer- 
den, mit freundlicher Nachsicht beurtheilen. Die griechischen Formen habe ich nur da hinzuge- 
fügt, wo sie zum Belag des Aufgestellten unumgänglich nothwendig erscheinen; sie sind also 
nicht für den Schüler, sondern nur für den Lehrer da. 

Der Grammatiker Donatus nimmt fünf Deklinationen an und beginnt mit mensa als erster, 
dann folgt servus als zweite etc., wie wir es in unsern Grammatiken finden. Dass diese Dekli- 
nationen von einander unabhängig sind und nicht mit einander in Verbindung stehen, dass also 
ebenso wohl mit dies oder fructus angefangen werden konnte, bedarf keines Beweises. Zwar 
entgingen jenem Grammatiker bei einigen Wörtern gewisse Aehnlichkeiten der Deklination keines- 
wegs und deswegen stellte er servus gleich nach mensa, fructus nach homo. Den Faden aber, der 

1* 



durch alle Deklinationen hindurchgeht und die einzelnen Theile zum Ganzen verbindet, erkannte 
er nicht und konnte er nicht erkennen, weil er das Altlateiuische und das Griechische nicht be- 
rücksichtigte. Durch Grimmas Forschungen ist es evident nachgewiesen, dass es ursprünglich, 
wie im Deutschen, so im Lateinischen nur eine Deklination gab, von welcher mit der Zeit ver- 
schiedene Wörterreihen abgewichen sind, so dass mehrere Deklinationen entstanden. Indessen 
ist die Zahl der abweichenden Endungen geringer, als die Zahl der ursprün^rlichen, «rebliehenen 
weil sich die ursprüngliche Deklination in den meisten Fiillen erhalten hat. Dass man im 
Lateinischen fünf Deklinationen annimmt, hat seine Bereclitigung, (hi es im Wesen der Sprache 
liegt; diese Fünfheit ist aber nicht durch die Endungen bedingt, wie uns die altern Grammatiken 
versichern, sondern durch den Auslaut des Stammes. (Stammcharakter.) Hiobei sei sogleich be- 
merkt, dass ich unter „Stamm" nicht dasjenige verstehe, was nach Abstreichung der sogenannten 
Genetivendung übrig bleibt, (mens ~ von mensa, host — von hostis) sondern etwas ganz 
Anderes, was sich sogleich ergeben wird. Die.ser Auslaut des Stammes ist nämlich nach den 
fünf Vokalen ein fünffacher. Fr ist a bei mensa, also mensa-iu, n:ensa-rum, mensa-s; e bei 
die-s, also die-m, die-rum, die-bus; i bei turri-s, also turri-n., turri-bus; o bei servu-s (alilat. 
servo-s) alsoservo, servo-rum, servo-s; u bei quercu-s, also quercu-i, quercu-um, queren- bus. 
Jeder der fünf Vokale kann also Fndelaut oder Auslaut des Stammes sein und es eroebeu sich 
daraus fünf Deklinationen. Das u in quercu-s und das e in die-s ist also keine Endung, sondern 
gehört zum Stamm, an iiin werden die Flexionsendungen, die in der ursprünglichen Deklination 
für alle Wörter gleich sind, angesetzt. Ehe ich jedoch diese ursprüngliche Deklination mit ihren 
allmählich entstandenen Abweichungen aufstelle, eischeint es nöthig, einige Bemerkungen über 
die einzelnen Casus vorauszuschicken*). 

Der Nominativ Sinir. ^ 

Als Kennzeichen dieses Casus ist bis auf wenige Ausnahujen, für das Grieehische und 
Lateinische ein s anzunehmen, obwohl sehr mannichfache Fndungen erscheinen. Dieses s lassen 
namentlich die männlichen Stämme auf o erkennen, wie ^t^to^^ ~ «quus, alt equos (Stau.m : equo — ) 
Tttroog = taurus. Im Lateinischen trat für dies o früh u ein. Die Endung os (iis) verschwand 
oft bei vorhergehendem r, namentlich wo noch ein Consonant voranging, nach welchem dann vor 
auslautendem r der Aussprache wegen ein e einiückte. Entweder fiel dieses e in allen übrigen 
Casus wieder fort, so bei agiM-, Acker, statt agros -: äyQog und bei den Adjektiven teter hässlich, 
macer mager, (Stämme: tetro-, macro-,) oder das e blieb, wie bei socer Schwiegervater (Stamm: 
socero- = €xvq6-) und bei den Adjektiven liber frei, (Stamm: libero-) miser elend etc. Auch die 
von den Verben ferre und gerere abgeleiteten Adjektive auf -fer und -ger behalten dieses e. 
(S. unten bei der Deklination.) Die alte Endung us findet sich bei socerus neben socer: Prisciaa 
pag. 697 und 738 nennt puerus neben puer Knabe. Das us hinter dem r behalten: humerus 
Schulter, numerus Zahl, Uterus Unterleib. 

Lateinische Stämme auf e haben das s immer: die-s Tag, re-s Sache etc. 

Die Stämme auf i (hosti-s Feind, turri-s Thurm etc.J haben wegen der Schwäche des 
Vokals manche Aenderungen erfahren und sind oft nur noch in einzelnen Casus zu erkennen. 
Auch hier fällt nach r oft das is ab und zwar tritt dann e vor r, wenn noch ein Consonant voran- 
geht; so imber (St.: imbri-) Platzregen, acer (acri-) scharf, puter faul, alacer munter, celeber 
berühmt, saluber heilsam, volucer beflügelt. Das alte is findet sich vor, z. B. Enn. annal. 369: 

*) Zu vergleichen: Leo Meyer's oben erwähnte Schrift über die lateinische und griechische Deklination. 



5 



acris somnus, fester Schlaf. Oft verwandelt sich das i vor s durch Verstärkung im e: nubes 
(St. nubi-) Wolke, sedes, Sitz etc. — Stämme auf u finden sich nur bei Substantiven: arcu-s 
Bogen (arcu-), portus Hafen etc. — Trat das s des Nominativ an Consonanten, so entstanden 
Lautänderungen, die sich oft sehr einfach gestalteten. k-Lnut mit s verschmilzt zu x, z. B. pax 
Friede, für pac-s, rex König, für reg-s. t-Laut vor s fällt aus, z. H. aetas Alter, für aetats' 
lapis Stein,^ für lapids etc. Bei den auf 1, m, n, r ausgehenden Stämmen ist das s meistens fort' 
gefallen. Es kommt nie vor bei denen auf 1. Von Stämmen aufm ist hiem-s Winter, das ein- 
zige Beispiel. Auf n endigen nur wenige Worte, ilamen Priester, tibi^M^i Flötenspieler etc. Bei 
weitem die meisten haben das n verloren, praedo Räuber (praedon-), leo Löwe etc. Bei Stäm- 
men ai>f r findet sich das ursprüngliche s nur als Nebenform, wie bonos Ehre, neben honor- 
. labos Arbeit, neben lahor u. a. — Jede Spur eines s im Noui. fehlt bei den weiblichen Stämii:en 
auf a, wie terra Erde, etc; ferner bei den Pronomen ego ich, tu du, hie dieser, ille jener, qui 
welcher, ipsc selbst, iste er. 

Die Neutra haben im Nominativ kein Zeichen, sondern geben den reinen Stamm, indessen 
ist das auslautende i verstärkt in c übergegangen, so: mare Meer (inr^ri-) osse Knochen, (später 
os) lacte Milch (später hic) s. E.niius annal. 35;'). Stämme auf u ohne Nominativendung haben 
diesen Vokal stets lang: genu Knie veru Spiess etc. Zu bemerken ist noch die Endung m 
(griechisch r) bei den Neutris auf o (später u) so: aevom Zeit. (Lucret. 2. 061.) olivom Gel 
etc. Ebenso ist das angehängte d in Pronominalfornjen zu beachten: id es, illud jenes, aliud 
anderes etc. 

Der Genetiv Siiij>. 

Dieser Casus hatte in der ursprünglichen Deklination überall ein s. (quercu-s turri-s 
etc.) Daher lauten die alten Formen pnter- und materfamilia-s, Hausherr und IIau>frau 
uni-u-s eines, Diespiter d. h. die-i pater, Vater des Lichts, via-s des Weges, (Knn. annal. 421.) 
custodia-s der Wache, (bei Gharis. 82, 83). Bei den Stämmen auf a, e, o kam dieser alte Genetiv 
frühzeitig aus dem Gebrauch und der Dativ diente alsdann zugleich als Genetiv, in vielen Fällen 
aus dem Grunde, um diesen Casus vcm Nominativ zu unterscheiden. So wandte mau z. B. den 
Dativ die-i zugleich als Genetiv an. Dasselbe ist bei servu-s der Fall. Weil aber in dieser De- 
klination sehr wichtige, meistens männliche Worte vorkommen, so fühlte man das Bedürfniss, 
den Genetiv vom Dativ zu unterscheiden. Man liess also von dem ursprünglichen servo-i (vero-l! 
den Dat. Sing.) im Dativ das i, im Genetiv das o weg. Aus diesen Aenderungen erklärt sich die 
Unregelmässigkeit der sog. zweiten Deklination. — An die andern vokalischen Stämme n, i tritt 
das s des Genetivs deutlich heran: portu-s des Hafens, hosti-s*) des Feindes, mari-s des Meeres. 
Bei allen consonantisch auslautenden Stämmen tritt zwischen den Stamm und die Endnno- s eia 
zur Aussprache nothwendiges i als Bindevokal, z. B. rex (reg-s) Gen. reg-i-s; homo. Gen. ho- 
min-i-s etc. Mit Unrecht, wie ich glaube, wird die Existenz eines solchen Bindevokals bestritten 
werden, ganz evident tritt er im Dativ Plur. auf vor der Endun*»- -bus. 

Der Dativ Sing. 
Dieser Casus hatte überall die Endung i, (poitu-i, turri**) statt turri-i, die-i etc.) Von 
taurus (altlat. tauros) hatte der Dativ tauro-i, wie im Griech. TAYPill oder mit untergeschrie- 

*) Die vokalischen Stämme auf i sind daran zu erkennen, dass der Nom. und Gen. gleich viel Silben hat 
(Parisyllaba) z. B. civi-s, nube-s; Gen. civi-s, nubi-s; w^ährend consonantische Stämme um eine Silbe im Gen. wachsen 
(Inparisyllaba) z. B. lapis, miles; Gen. lapidi-s, militi-s. 

**) Der vokalische Stamm i zerschmilzt mit der Dativendung i zu einem Laut i, dasselbe geschieht bei den 
consonantischen Stämmen mit dem Bindevokal i und der Dativendung i. 



6 

benem t: tavQt^. Im Lateinischen fiel dieses i früh aus. Geblieben, aber im neuem Latein in e 
übergegangen ist es bei den Wörtern nach der sogenannten ersten Deklination. Die bei Lucrez 
so hsLußr vorkommenden Formen viai (dreisilbig) 1. 406. 2. 249. flammai 1. 725 etc. sind nach 
meiner oben erwähnten Anschauung lauter ursprüngliche Dativformen, die die Funktionen eines 
Genetivs vertreten, obwohl die Formen auf ai als Dativ viel seltener vorkommen. Dasselbe ist 
der Fall bei den Stämmen auf e, wie re-i, die-i etc., neben welcher Form noch der alte Genetiv 
die-s vorkommt: Enn. annal. 401. 

Der Accusativ Sing:. 

Dieser Casus hat in allen Deklinationen ein m, welches einfach an den Stamm antrehäno-t 
wird: mensa-m, servu-m, (servo-m) turri-m, portu-m, die-m. Hier ist nur zu bemerken, dass das 
i der sogenannten dritten Deklination, sei es Stamm, sei es Bindevokal, meistens und früh in e 
übergegangen ist. Zwar kommt neben vi-m Gewalt, tussi-m Husten, siti-m Durst,- turri-m Thurm, 
febri-m Fieber, ravi-m Heiserkeit, securi-m Beil, auch messi-m Einte, (Gell. 2. 29.) clavi-m 
Schlüssel, (Tib. 2. 4. 31.) u. a. vor, indessen ist das e das Gewöhnliche geworden, wahrscheinlich, 
um vor dem liquiden m den schwachen Vokal i zu vermeiden. 

Der Vocativ Sinir. 

Dieser Casus hat keine eigene Endung, ausser bei den Stämmen auf o (2. Dekl.) und 
zwar hier die Endung e, welche vielleicht der Kest einer Interjektion eh oder he ist. Das o des 
Stammes fällt vor diesem e aus, es ist also z. B. aus dem ursprünglichen servo-e = serv-e ge- 
worden. Die Eigennamen auf ins nehmen dies e nicht an, sondern werfen die Endung us ab, 
also: Lucreti, v. Lucretius. (Das Nähere unten b. d. Deklination.) Auch die Wörter auf -er, 
welche ihre ursprüngliche Endung verloren haben, nehmen dies e nicht an. puere, o Knabe! bei 
Plaut, asinaria 2. 3. 2. steht wohl vereinzelt da. 

Der Ablativ Sini;. 

Dieser Casus, ursprünglich consonantisch auslautend, hat keine eigentliche Endung, er ver- 
längert nur den Endelaut des Stammes: mensä, servö, turrl, portü, die. In der sogen, dritten 
Deklination ist, wie im Accusativ, das ursprüngliche i meistens e geworden. Dieses i haben ausser 
den vokalischen Adjektivstämmen nur diejenigen Wörter behalten, die es im Acc. haben. Ausser 
ihnen nur die Neutra auf e, al, ar. Als Regel dürfte sich aufstellen lassen, dass: adjektivisch 
gebraucht i häufiger ist als e, substantivisch gebraucht e gewöhnlicher ist als i. 

Der Nominativ Plur. 

Dieser Casus hat bei den Mascul. und Femin. die wohl mit Sicherheit anzunehmende 
ursprüngliche Endung is in ein blosses s verkürzt bei den Stämmen auf u, wobei der Zusammen- 
ziehung wegen der Vokal verlängert wird: portü-s, und bei den Stämmen auf e: die-s. Bei den 
Stämmen auf i und allen consonantischen Stämmen, die vor die Endung den Bindevokal i ein- 
treten lassen, ist wie beim Accus, und Abi. Sing, das stärkere e statt des i durchgedrungen, also: 
hostv s, principe-s statt: hostl-s, principl-s. Zwar kommt die alte Form bisweilen vor, z. B. 
hostis Feinde, Enn. annal. 291, imbris Regengüsse, Lucret. 5. 216, indess ist e-s unstreitig das 
Gewöhnliche geworden. W^ahrscheinlich schwand die ältere Form, um mehrere gleichlautende 
Formen zu vermeiden. Bei den Stämmen auf a und o (mensa, tauru-s) ist als besonderes Plnral- 
suffix ein i anzunehmen, das sich schwer, wie doch geschehen ist, aus der alten Nominativendung 



is herleiten lässt. Die ursprünglichen Formen lauteten mensa-i und tauro-i (ravQoi) aus denen 
mensa-e und taur-T entstanden ist. Nach letzteren gehen auch die Pronominalformen: illi, qui 
hi etc. Das durchgängige Zeichen des Nom. Plur. bei allen Neutris ist reines, kurzes a, welches 
im Accus, und Vokat. wiederkehrt: don-a Geschenke, sider-a Gestirne, cornu-a Hörner. Vor 
diesem a wird bei Substantivis das i ausgestossen, die Wörter auf e, al, ar behalten es jedoch, 
weil sie es im Abi. Sing, behalten. Ebenso behalten es alle Participien und Adjektive mit Aus- 
nahme von: veter-a alte, major-a grössere, minor-a kleinere, complur-a mehrere. Ohne Analogie 
sind die Pluralformen quae welche und haec diese. — 

Der Genetiv Plur. 

Dieser Casus hat die Endung -rum bei dem Stämmen auf a, o und den wenigen auf e. 
Die Vokale a und o werden dabei verlängert: mensä-rum, servü-rum, die-rum. Man darf annehmen, 
dass diese Endung die ursprüngliche ist. Alle übrigen Stämme bekommen die Endung -um^ 
welche an den Stamm u einfach angehängt wird: portu-um, cornu-um. An die Stämme auf i 
tritt ebenfalls -um einfach heran; hosti-um der Feinde, mari-um der Meere. Indessen fällt das 
i immer aus bei: juvenis Jüngling, canis Hund, vates Seher, panis Brod, strues Haufe, gewöhn- 
lich auch bei apis Biene, sedes Sitz, volucris V^ogel. Hinter den consonantischen Stämmen fällt 
der Bindevokal i ans: milit-um, reg-um etc. Die Genetive: imbri-um der Regengüsse, utri-um 
der Schläuche, ventri-um der Bäuche, lintri-um der Kähne, stossen die letztere Regefnicht um, weil 
diese Wörter nur schdnbar consonantische Stämme haben. Sie haben den Nom. Sing, ohne s 
gebildet, den vokalischen Auslaut i abgew^orfen und e eingeschoben. (Siehe oben bdm Nom. 
Sing.) Dagegen behalten von consonantischen Stämmen das i bei die einsilbigen Mutastämme 
mit vorhergehenden Consonanten: urbi-um der Städte (urb-s) monti-uin der Bei^e etc. Es niuss 
zugestanden werden, dass die Ausstossung des i manchen Willkürlichkeiten und Schwankungen 
ausgesetzt ist. Ganz besonders schwanken die Participien mit mehr adjektivischem Gebrauch- 
sie haben meistens -ium, in der älteren Sprache jedoch und bei Lucrez immer -um, so bei letz- 
term: salutant-um der begrüssenden 1. 318. amant-um der liebenden 4. 1077. 5. 962. und an vielen 
andern Stellen. Auch Horaz hat fugient-um der fliehenden carm. III. 18. 1. imminent-um dro- 
henden III. 27. 10. Die oben angegebenen Regeln werden diese Schwankungen weniger empfindlich 
machen. Der Vollständigkeit wegen muss bemerkt werden, dass die Endung -um auch bei Stämmen 
auf a und o im Gebrauch war, sich aber nur in seltenen Spuren erhalten hat. So hat Lucrez 
häufig deum (Stamm: deo-) der Götter, I. 54. 58. IL 168. 352. virum der Männer I. 95. 728 etc 
Auch Vergil hat diese Form an einzelnen Stellen. Bei Wörtern des Masses ist sie häufiger- 
talentum der Talente, modium der ScheflPel u. a. sind bekannte Formen, auch praefectus fab^uni 
I^eldzeugmeister, ist geläufig. Dazu gehören auch: nostrum unser, von uns, und vestrum euer, 
von euch. Bei Stämmen auf a kommt die Endung -um vor in: agricolum der Landbewohner 
Lucret. 4. 586. caelicolum der Himmelsbewohner, Pieridum der Musen, Aeneadum der Aeneaden 
und in einigen Andern. 

Der Dativ Plur. 

< 

Die. ursprüngliche allgemeine Endung -bus wird an die Stämme i, u, e einfach ange- 
setzt: hosti-bus, quercu-bus den Eichen, die-bus. Bei den consonantischen Stämmen tritt die 
Endung -bus an den Bindevokal i: regi-bus den Königen, duci-bus den Führern etc. Die 
Stamme auf u schwächen vor dieser Endung häufig das dunkle u in i und zwar ist dies der Fall 
bei den zweisilbigen Wörtern auf -cus, ferner bei tribus, römische Volksabtheilung, partus 



8 

Geburt, artus Glied. Bei den Stämmen auf a und o hat sich die Endung. -bus mit den vor- 
hergehenden Stammvokalen a und o zu is verkürzt und zwar zog man, um schnell und kurz zu 
reden, bei den Masculinis o- bus jedesmal in is zusammen; (als einzige alte Spuren stehen duo- 
bus zweien und ambo-bus beiden), dasselbe geschah meistens bei den Femininis, jedoch liess 
man bei eitjigen Wörtern, deren weiblichen Charakter man von den männlichen Plural- Dativen 
deutlich unterscheiden wollte, das alte a-bus eintreten. Ausser doa-bus Göttinnen und filia-bus 
Töchter, kommen vor: nnima-bus den Seeleu, asina-bus den Eselinnen, domina-bus deuFrauen, 
famula-bus den Dienerinnen u. a. m. Vereinzelt stehen die Formen nobis uns, vobis euch. 

Der Accusativ Plur. 
Das erkennbare Zeichen des Accus. PI. ist ein s, vor welchem ein Consonant (n) aus- 
gefallen ist; daher wird in allen Fällen der Vokal vor dem s verlängert. Mensä-s, servö -s, 
hosti-s, portü-s, die-s. iliebei ist nur zu bemerken, dass bei den Stämmen auf i und den con- 
sonantischen Stämmen, an die der Bindevokal i tritt, in der neuern Sprache statt des alten T-s 
fast immer e-s gebildet wurde. Die alte Form ist zwar vielfach belegt, jedoch kommt sie gegen 
das fast durchgehende, neuere e-s nicht in Betracht. Dass alle Neutra dies s nicht haben° son- 
dern ihren Accusativ gleich dem Nominativ l)ilden, ist schon oben bemerkt worden. 

Der Vocativ Plur. ist stets gleich dem Nominativ. 

Der Ablativ Plur. ist stets gleich dem Dativ. 

Nach diesen Bemerkungen, die nothwendig erscheinen, um die ursprüngliche Deklination 
mit ihren Abweisungen darzustellen, mag eine Uebersicht, zunächst des Sincrular folo-eu. 

Sing. Nom. hat verschiedene Endungen, die jedesmal angegeben werden. 

Gen. hat s. 

Dat. — i. 

Acc. — m. 

Voc. wie Nom. 

Abi. hat den langen Endvokal des Stammes. 
Hiernach hat der Schüler für die ursprünglichen, regelmässigen Endungen nur eine 
Declination zu lernen, nämlich die von portus und zwar muss diese vorangestellt werden, weil 
sie keine sichtbaren Abweichungen von der ursprünglichen Declination enthält. Bei turris findet 
nur die kleine, oben bemerkte Abweichung statt, dass das doppelte i des Dativ zusammengezogen 
wird. Dann folgen die übrigen Declinationen nach ihren geringern oder stärkern Abweichungen, 
Diese sind auf der nun folgenden Tabelle durch punktirte Linien bezeichnet. 







Singularis. 








. I. 


II. 


III. 


IV. 


V. 


N. 


portu-s 


turri-s 


die-s 


filia 


servu-8 statt 


G. 


portu-s 
portu-i 


turri-s 
turii- i 
turrI 






servo-8 


D. 


die-i 


filia- i — 
filia 






• 


A. 


portu-m 


turri -m 


die-m 


filia-m 


servu-m statt 


Abi. 


portü 


turri 


die 


filiä 


servo-m 
servö 



9 



IV. 


V. 


filia - i 


servi 


filiae 






servo 




serve 



Die wenigen Abweichungen sind folgende: 

L n. III. 

Gen. i — — die-i 

statt o 

D. 

V. 



Es ergeben sich somit für den Sing. 7 Endungen, 4 regelmässige und 3 abweichende 
1) s für den Genetiv. 2) i für den Dativ. 3) m für den Accus. 4) der blosse Wortstamm für 
den Ablat. Für die Abweichungen: 5) i für den Genetiv. 6) und 7) der Dativ servo und der 
Voc. serve bei der letzten Declination. Diese wenigen Endungen werden dem Schüler leichter 
zu lernen sein, als die viel zahlreichern und regellosen der bisher üblichen Art zu decliniren. 
Der Plural stellt sich nach den vorangeschickten Bemerkungen in folgender Weise heraus: 
Plur. Nom. und Voc. hat i und s (s. oben). Alle Neutra haben a. 

Gen. - rum und - um. 

Dat. und Abi. - bus und - is. 

Accus. -s. 







Pluralis. 






N.U.V. 


I. 

portu-s 


II. 

turr-e-s 


III. 

die-s 
die-rum 
die-bus 
die-s 


IV. 


V. 

t 


G. 


filia-rum 
(filia-bus) 
filia -s 




D.U.Abi. 


portu-bus 
portu-s 


turri -bus 
turr-e-s 


servo -rum 


Accus. 


servo - s 


Die 


Abweichungen sind: 








N. u. V. 

G. 

D. u. Abi. 


portu-um 


turri - um 




filia -e 
mens-is 


serv-i 
serv-is 



Wenngleich die Abweichungen im Plur. aus den eben dargestellten Gründen bedeu- 
tender sind, als im Sing., so werden sie doch weniger Schwierigkeiten für den Schüler haben, 
als das Erlernen des Plur. mit seinen vielen Endungen nach alter Methode. Damit der Schüler 
erkenne, zu welcher Declinationsweise dieses oder jenes Wort gehört, muss ihm von Jedem der 
Genetiv ausser dem Nominativ gesagt werden. 



2 



10 



11 



Febersicht der DecUnatioiieii. 



i. 

Nom.u-s neiitr.u 
Gen. u-s 
(Vok.-Stämme 
auf u) 



n. 



verschieden 
is (i-s) 

(Vok.-Stämme 

auf i oder cons. 

Stämme) 



III. 

e-s 
e-i 

(Vok.-Stämme 
auf e) 



IV. 

a 

a-e 

(Vok.-Stämme 
auf a) 



V. 

u-s oder er neutr. u-m 

1 

(Vok.-Stämme auf o, 
das in u übergeiran- 

gen ist). 



Nach dieser allgemeinen Uebersicht lasse ich die einzelnen Deklinationen folgen. Dabei 
wird es unvermeidlich sein, Manches zu wiederholen, was schon oben bei den einzelnen Casus 
bemerkt wurde. In der (Iruppirung des Stofis und der Fassung der meisten Genusregeln bin 
ich häufig Lattman's lateinischer Grammatik gefolgt. 

Erste Deklination. 

Zur ersten Deklination gehören die Stämme auf u, welcher Buchstabe bei den Neutris 
stets lang ist. Zunächst aus pädagogischen Gründen steht diese Deklination voran. 

Masculinum. Neutrum. 

Sing. N. portil-s der Hafen cornü das Hörn 

G. portu-s des Hafens cornu-s des Horns 

D. portu-i dem Hafen cornu dem Hörne 

Ac. portu-m den Hafen cornu das Hörn 

V. portu-s Hafen! cornu Hörn! 

Ab. portu (von dem Hafen). cornu (v. d. Hörne) 

Plur. N. portu-s die Häfen cornu -a die Hörner 

G. portu -um der Häfen cornu -um der Hörner 

D. portu- b US ; corni-bus den Hörnern 
porti-bus ( ^*^" ^1''^^'^« 

Ac. portu-s die Häfen cornu-a die Hörner 

V. portu-s Häfen! • cornu-a Hörner! 

Ab. portu -bus \ corni-bus (v. d. Hörnern) 
porti - bus / (^- ^- Häteti). 

Anmerk. I. Das ursprfingliche - nbus des Dativ und Ablativ Flur, haben nur die zweisilbigen Wörter auf 
-cus behalten und ferner: 

artus Glied, partus Geburt, tribus Tribus (Abtheilung des römischen Volks): auch portus Hafen und sinus Busen. 

Anmerk. IL domus Haus hat im Ablat. Sing, domo, im Gen. Plur. domuum und domorum, im Acc. Plur. 
domos und domus. (domi heisst: zu Hause.) 

Genus reg el. Die Wörter auf us sind Masculina, die auf u Neutra. 

Ausnahmen: Feminina auf us sind: tribus (s. oben), acus Nadel, porticus Säulenhalle, 
manus Hand, domus Haus, idus. Gen. iduum der löte der Monate: Juli, Mai, März, October; 
der 13te in den übrigen Monaten. 



Zweite Deklination. 

Zur zweitenDeklination, welche die bei weitem grössteZahl von Wörtern umfasst, gehören: 

1. Die vokalischen Stämme auf i (hosti-s, vulpe-s, mare; Gen. hosti-s, vulpi-s, mari-s) 
und auf u (nur su-s Schwein und gru-s Kranich (Gen. su-is, gru-is). 

2. Alle consonantischen Stämme. Diese schieben, wie schon oben bemerkt worden ist, 
zwischen Stamm und Genetivendung den zur Aussprache nothwendigen Bindevokal i. Am 
natürlichsten ordnen sich die consonantischen Stämme nach der Eintheilung der Buchstaben in 
folgender Weise: 

A. Stämme auf k, p, t, (Mutastämme) pax (f. pac-s), princep-s, aeta-s (f. aetat-s), 
Gen. pac-is, princip-is, aetat-is. 

B. Stämme auf s, welches zwischen 2 Vokalen in r übergeht: mos, Gen. mor-is. Bei 
den Neutris erscheint im Nom. ein u statt e und (5: genus, tempus, Gen. gener -is, tempör-is. 

C. Stämme auf 1, m, n, r. (Liquidastämme.) Auf 1 z.B. consul, praesul. Gen. consul-is, 
praesul-is. Auf m nur: hiem-s Winter, Gen. hiem-is. Auf n: nomen Namen, Gen. nomin-is. 
Die Masculina und Feminina stossen den Stammauslaut ab und endigen auf o; z. B. leo> 
Gen. leon-is, homo. Gen. homin-is. Auch sanguis Blut (f. sanguin-s), Gen. sanguin-is gehört 
hierher. Auf r: labor Mühe, Gen. labor-is etc. 

I. Vokalische Stämme. 

Diese werden, wie schon früher bemerkt, daran erkannt, dass der Nom. und Gen. gleich 
viel Silben haben. Die Endung e-s ist durch Vokalstärkung aus i-s entstanden. Die Neutra 
verwandeln im Nom. ihr i in e (mare); bei den mehrsilbigen Wörtern wird das e hinter 1 und 
r abgeworfen, also animal statt animale. Was die einzelnen Casus betrifft, so verweise ich auf 
die oben vorangeschickten Bemerkungen, besonders beim Gen. Plur. und Ablat. Sing. Dass 
adjektivisch gebrauchte Substantiva, wie annalis (ergänze: liber) Jahrbuch, im Abi. i haben, 
geht nach der oben gegebenen Kegel aus ihrer Eigenschaft als Adjektiva hervor, dasselbe ist 
der Fall bei den Monatsnamen: Aprilis etc. (ergänze: mensis). 

Sing. N. turri-s der Thurm. vulpe-s der Fuchs, mare das Meer. 

G. turri-s vulpi-s mari-s 

D. turri vulpi mari 

A. turri-m vulpe-m mare 

e-m 

V. turri-s vuIpe-s mare 

Ab. turri (e) vulpe mari 



Plur. N. turre-8 
G. turri-um 
D. turri-bus 
A. turre-s 
V. turre-8 
Ab. turri-bus 



vulpe-s 

vulpi-um 

vulpi-bus 

vulpe-s 

vulpe-s 



mari-a 

mari-um 

mari- bus 

mari-a 

mari-a 

mari-bus 



vulpi-bus 

Genusregel. Die Stämme auf i (Nom. is) sind zum kleinern Theile Masculina, zum 
grössern Feminina; alle auf -es im Nom. sind Feminina. Die Wörter auf e, al, ar (vok. Stämme 
auf i) sind Neutra. 

2* 



12 



n. Consonantische Stämme. 
A. Stämme auf k, p, t. (Mutastämme.) 

Der Nom. aller Mascul. und Fem. hat durcligehends die Endung s. Dies s verschmilzt 
mit vorhergehendem k-Laut zu x, (rex für reg-s) der t-Laut fällt vor diesem s aus (lapis für 
lapids). Die Wörter, welche vor dem Stamme ein i haben, verwandeln dasselbe im Nom. mei- 
stens in e z. B, miles, Gen. milit-is; princeps, Gen. princip-is. 



Sing. 



Beispiele für k-Laut. 

dux (es) der Führer, grex (gs) die Heerde. 

duc-is 

duc-i 

duc-em 

dux 



Plur. 



N. 
G. 
D. 
A. 
V. 
Ab. duc-e 

N. duc-es 
G. duc-um 
D. duc-ibus 
A. duc-es 
V. duc-es 
Ab. duc-ibus 



greg-is 

greg-i 

greg-em 

grex 

grcg-e 

greg-es 

greg-um 

greg-ibus 

greg-es 

greg-es 

greg-ibus 



Sing. 



Beispiele für p-Laut. 

N. princep-s der Fürst, trab-s der Balken, 
G. princip-is 



D. princip-i 
A. princip-em 
V. princeps 
Ab. princip-e 

Plur. N. princip-es 
G. princip-um 
D. princip-ibus 
A. princip-es 
V. princip-es 
Ab. princip-ibus 



trab-is 

trab-i 

trab-em 

trabs 

trab-e 

trab-es 

trab- um 

trab-ibus 

trab-es 

trab-es 

trab-ibus 



13 

Genusregel der Mutastämme. 
Alle Stämme mit s im Nom. sind Feminina. 
Ausnahmen : 
Masculina sind: 

1. Die Wörter auf -ex, jedoch kehren zur Hauptregel zurück und sind Fem.: lex Gesetz, 
prex Bitte, nex Tod, faex Hefe. 

2. Die ungleichsilbigen Wörter auf es, und auf is das Wort lapis. Gen. lapid-is Stein. 

3. Von den Wörtern auf -ns: pons Brücke, fons Quelle, mons Berg, dens Zahn, rudens 
Tau, torrens Bergstrom. 

Neutra sind: cor (urspr. cord) Herz, lac (lact) Milch, caput Kopf. 

B. Stämme aof s. 

Wie schon bemerkt, geht das s des Stammes zwischen zwei Vokalen in r über, das s 
erhält sich nur in vas. Gen. vas-is Gefäss, und tritt verdoppelt auf in os. Gen. oss-is Knochen, 
as. Gen. ass-is Kupfermünze. 

Beispiele für s-Laut. 
Masculinum. Neutrum. 

N. mos die Sitte, corpus der Körper, 
mor-is 



Sing. 



G. 
D. 
A. 
V. 



Beispiele für t-Laut. 
Sing. N. mile-s der Soldat, custo-s der Wächter. 
G. milit-is custod-is 

D. milit-i etc. custod-i etc. 

(wie oben.) (wie oben.) 

Dem t-Laut geht bisweilen auch ein Consonant vorher, so: frons, Gen. front-is Stirn> 
puls, Gen. pult-is Mehlbrei, lac Gen. lact-is Milch. 



mor-i 
mor-em 
mos 
Ab. mor-e 

Plur. N. mor-es 
G. mor-um 
D, mor-ibus 
A. mor-es 
V. mor-es 
Ab. mor-ibus 



corpor-is 

corpor-i 

corpus 

corpus 

corpor-e 

corpor-a 

corpor-um 

corpor-ibus 

corpor-a 

corpor-a 

corpor-ibus 



Bei den Masc. erscheint im Nom. i statt e, z. B. pulvis. Gen. pulver-is Staub; dass bei 
den Neutris im Nom. ein u statt e und o erscheint, (corpus, genus, Gen. corpör-is, gener-is) ist 
schon bemerkt worden. 

Genusregel der s-Stämme. 

Masculina sind die Endungen -is, (G. cris) os (öris) mit Ausnahme von os. Gen. öris Mund, 
welches ein Neutrum ist, ferner die beiden Wörter lepus, G. lepör-is Hase, mus, Gen. mur-isMaus. 

Femininum ist nur: tellus. Gen. tellur-is Erde. Neutra sind die Endungen: us (Gen. 
eris, öris) und -us (Gen. üris). . 

€. Stämme auf 1, m, n^ r. 

a) 1-Stämme haben im Nom. kein s. Beispiel: sol. Gen. sol-is Sonne etc. .Sie sind Masc. 
mit Ausnahme der zwei Neutra; fei Galle, mel Honig, (Gen. fell-is, me'll-is). 

b) m-Stamm kommt nur vor in hiem-s. Gen. hiem-is f. Winter. 

c) n-Stamm wird als Auslaut nur im Nom. der Neutra bewahrt; (carmen, nomen etc.) 
die Masc. und Fem. werfen im Nom. das n ab und bilden auf o, den Gen. aber theils 
auf on-is, theils auf in-is, und zwar haben die Wörter auf -do und -go mit wenigen 
Ausnahmen -inis, die übrigen -onis. 



Mascul. 
Sing. N. latro der Räuber. 

Gr. latrön-is 

D. latron-i 

A. latron-em 

V. latro 

Ab. latron-e 
Plur. N. latron-es 

G. latron-um 

D. latroD-ibus 

A. latron-es 

V. latron-es 

Ab. latron-ibus 



14 

Beispiele für n-Laut. 
Feiuin. 
viroro die Jungfrau. 



virain-is 

viro;in-i 

viri^iu-em 

virgo 

virgln-e 

virgin-es 

virgin-um 

virgin-ibus 

viigin-cs 

vir^in-es 

virgin-ibus 



Neutr. 

nomen der Name. 

nomin-is 

noinin-i 

nomen 

noiuen 

nomin-e 

nomin-a 

nomin-um 

nomin-ibus 

nomin-a 

nomin-a 

nomin-ibus 



Genusregeln der n-Stämme. 

Feminina sind die Endungen -do, -go, die Abstraktaauf -io und das Wort: caro, carnis 
Fleisch. Ausgenommen davon und Masc. sind: ligo Hacke, margo Rand, harpago Enterhaken. 
Ebenso sind Masc. die Conkreta auf -io z. B. pugio Dolch. 

Neutra sind die Wörter auf -en. Selbstverständlich sind Masc. die Personennamen: 
flamen Priester, tibicen Flötenbläser etc. Ausser diesen aber noch: spien Milz und der Plur. 
renes Nieren. 

d) r-Stämme haben im Nom. kein s, doch kommen bei Wörtern auf -or die alten, aufs 
endenden Nebenformen vor, so bonos, labos statt honor, labor. Der Gen. hat auch hier r, also 
bonor-is etc. Die Wörter auf -ter stossen mit Ausnahme des einen W^orts later, G. lateris Ziegel, 
im Gen. das e aus z. B. pater, patr-is. 

Beispiele für r-Laut. 
Mascul. Neutrum. 

N. orator der Redner. 
G. orator- is etc. 

N. pater der Vater. 
G. patr-is etc. 



Sing. 



fulgur der Blitz, 
fulgur-is etc. 

ver der Frühling, 
ver-is etc. 

Genusregel der r-Stämme. 

Die Endungen -er und -or sind Masc, die Endung -ur Neutra; Femiu. ist nur: arbor 
G. arbör-is Baum. 

Ausnahmen: Neutra sind: far, nectar, marmor, aequor, iter, ver, cadaver, verber, über 
und papaver. • 



far Mehl, 
nectar Nektar, 
marmor Marmor, 
aequor Meer, 
iter Weg. 



ver Frühling, 
cadaver Leichnam, 
verber Schlag, 
über Euter, 
papaver Mohn. 



15 



Dritte Deklination. 

Zur dritten Deklination gehören die wenigen Stämme auf e. Dies e ist lang, wenn ihm ein 
Vokal vorhergeht, z. R. specie-s; kurz, wenn ein Consonant vorhergeht z. B. fide-s. Der Plur. 
ist vollständig üblich nur bei: dies Tag, res Sache, species Art. 

Sing. Plur. 

N. die-s der Tag die-s 

G. die-i die-rum 

D. die-i die-bus 

A. die-m die-s 

V. die-s die-s 

Ab. die die-bus. 

Genusregel. Die Wörter dieser Deklination sind Feminina; dies allein wird meistens 
männlich, jedoch in der Bedeutung „Termin'' weiblich gebraucht. 

Vierte Deklination. 

Zur vierten Deklination gehören die Stämme auf a. 

Sing. Plur. 

N. mensa mensa-e 

G. mensa-e (alt: as) mensa-rura 

D. mensa-e mens-is (alt: a-bus) 

A. mensa -m mensa -s 

V. mensa mensa-e 

Ab. mensä. mens-is. 

Der ursprüngliche Gen. auf a-s findet sich noch, wie schon oben bemerkt, in: pater 
familias und mater familias Hausherr und Hausfrau. Der ursprüngliche Dativ Plur. auf a-bus 
findet sich in dea-bus Göttinnen, iilia-bus Töchtern und einigen andern, bereits oben aufgezählten 
Wörtern. 

Genusregel. Die W^örter der vierten Deklination sind Feminina. 

Fünfte Deklination. 

Die fünfte Deklination enthält die Stämme auf o, für welches früh u eingetreten ist. 
üeber die zahlreichen Abweichungen von der ursprünglichen Deklination, die sich gerade hier 
finden, muss ich auf die bezüglichen Bemerkungen verweisen, die ich zum Nom. Sing, beigebracht 
habe. Zu wiederholen ist hier nur, dass z. B. in servu-s nur das s die Endung, das u aber die 
aus o entstandene Stammendung ist. Die Wörter auf -er haben die ursprüngliche Endung verloren 
und werfen das e vor dem r meistens bei der Deklination ab. Das e behalten folgende Substantiva: 

puer Knabe, vesper Abend, socer Schwiegervater, 

gener Schwiegersohn, adulter Ehebrecher; 

und die Adjektiva: 

asper rauh, lacer zerrissen, 

prosper glücklich, teuer zart, 

liber frei, miser elend. 



"fl"».- 



e^*«;- 



Sing. 



16 

Masc. Neutrum. 

N. servu-s der Knecht puer der Knabe ai/er der Acker bellu-ra der Kriet^ 



G. serv-i 
D, servo 
A. servu-m 
V. serv-e 
Ab. servo 

Plur. N. serv-i 

G. servo -rum 
D. serv-is 
A. servo -s 
V. serv-i 
Ab. serv-is 



puer-i 

puero 

pueru-m 

puer 

puero 

puer-i 
puero- rum 
puer-is 
puero -s 
puer-i 
puer-is 



agr-i 
agro 
agru - m 
ager 
agro 



agr-i 
agro -rum 
aixr-is 



agro-s 

aijr-i 

agr-is 



hell-i 

bello 

bellu-m 

bellu-m 

bello 

bella 

bello -rum 

bell-is 

bella 

bella 

bell-is 



Anmerkung I. Don dieser Dekl. eigenthümlichen Vokativ Jauf e haben die Wörter auf -er nicht Die 
Eigennamen auf -ius, -ajus, -ejus werfen im Vok. us ab, wobei aus j ein i ^vird z. B. Gajus V. Gai • Pompejus V 
Pompei. filius bildet im Voe. fili, meus mein bildet mi, also o mi fili o mein Sohn! (aber: o mea filia o meine Tochter!) 
Deus Gott hat im Voc. deus; im Plur. dii, deorum, diis, deos, dii, diis. — 

Anmerkung IL R.sfe der ursprünglichen Deklination (Gen. -s, Dat. -i) sind folgende Adjektive: 

«nus ein, ullus irgend ein, nuilus kein, solus allein, totus ganz, alius ein anderer, uter welcher von bei- 
den, alter (G. alteriu-s) einer von beiden, neuter keiner von beiden. 



Es wird mir eine herzliche Freude sein, zu erfahren, dass recht viele geehrte Collegen 
den von mir angedeuteten AVeg zum leichtern Lehren der lateinischen Deklination beschritten 
und emen zufriedenstellenden Erfolg erzielt haben; ich werde es aber auch n.it -rossem Danke 
annehmen, wenn ich auf Unf<Ttiges oder Misslungenes in meiner Darstellung aufmerksam gemacht 
werde. Geleitet wurde ich von der Absicht, den innern Zusammenhang der lateinischen Dekli- 
nation nachzuweisen und den grammatischen Lehrstoff möglichst zu beschränken; ma^r die ver- 
buchte Ausführung dieser Absicht nicht vollständig missglückt erscheinen! — ° 



D a n z i «;. 



Dr. Eichard Wulckow. 



-cvoo^OOo- 



)